Passend zur winterlichen Jahreszeit bläst ein frischer, eiskalter Wind aus Nidaros zu uns herunter. VEMOD haben ihr Debütalbum nicht nur fertiggestellt (mit den Aufnahmen wurde bereits 2008 begonnen) sondern ihr Label hat dieses Kleinod nordischer Klangkunst auch noch rechtzeitig vor dem bevorstehenden Weltuntergang veröffentlicht.
Aus aktuellen Anlass meldet sich Ash von NARGAROTH zu Wort, um das Auftrittsverbot, für u.a. seine Band auf dem "Castle Invasion"-Festival in Österreich, zu kommentieren.
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28.04.2012
MENEGROTH "Das rote Werk" 2012 (Rezension)
Viel wurde ja gemunkelt und spekuliert im Vorfeld der Veröffentlichung des nunmehr dritten Albums von den Sonnenrittern aus Helvetien. Nachdem das Debütalbum „Helvetische Urgewalt“ noch germanisch-völkische Tendenzen aufwies, mit dem Zweitwerk „Gazourmah“ die Sphären des futuristisch angehauchten Faschismus ausgelotet wurden, sollen sie mit ihrem neuen, „roten Werk“, dem Bolschewismus anheimgefallen sein.
Was für ein wilder, gleichsam wundersamer wie befremdlicher Ritt durch alle maßgeblichen Weltanschauungen des 20. Jahrhunderts! In der Tat, das Cover des „roten Werkes“ scheint die Unkenrufe, MENEGROTH hätten ihre Seele dem schnauzbärtigen Diktator aus dem Kreml geopfert, erst einmal zu bestätigen. Hammer und Sichel, die Embleme des Kommunismus, prangen prominent im Zentrum der neuen Schöpfung. Damit nicht genug, es gibt auch Liedtitel wie „Marxistische Mysterien“, „Sowjetische Nächte“, und „Rote Revolution“.
Aber bevor nun die „Antifa“ applaudiert und Kim Jong-un den roten (sic!) Teppich für ein MENEGROTH-Konzert in Pjöngjang ausrollt, sollte ein zweiter und genauerer Blick auf das, was sich hinter dem „roten Werk“ eigentlich verbirgt, erlaubt sein. Widmen wir uns erst einmal der Musik. Lange und zäh haben die Mannen um Cautes Marinetti daran gearbeitet und damit gerungen. Aber Alchemie – auch in der Musik - ist nun einmal eine magische Wissenschaft, die von ihren Rückschlägen lebt und nur den mit einem Erfolgserlebnis belohnt, der über seinen eigenen Schatten springen lernt. Genau das ist MENEGROTH in mehr als nur einer Hinsicht geglückt!
Musikalisch gibt man sich so ausgereift und abwechslungsreich wie nie zuvor. Natürlich, es handelt sich nach wie vor um Black Metal: Wütend summen und dröhnen die Gitarren, dumpf rumpelt das Schlagzeug, und heiser knurrt der Sänger. Aber zwischendrin erklingt auch erstaunliches; psychedelische Gitarrensoli oder Einlagen auf dem Piano, die sich aber perfekt ins stimmungsvolle Gesamtbild einfügen. Kein Wunder, dass an diesem Album beharrlich gefeilt werden mußte bis wirklich alles passt. Dabei ist es MENEGROTH wieder gelungen, so einfache wie eingängige Melodien mit teilweise rockigen Rhythmen zu verbinden. Das rotzig-schrammelnde „Tanks’n‘ Roses“ ist ein gutes Indiz für die musikalische Souveränität von MENEGROTH.
Die Herren haben sich mittlerweile so weit professionalisiert, dass sie allein mit ihrer Musik schon hinreichend punkten können und auf keine Effekthascherei angewiesen sind. Deshalb ist das Konzept des neuen Albums auch alles andere als ein „PR-Stunt“ zur unmittelbaren Aufmerksamkeitsmaximierung und anschließenden Förderung der Verkaufszahlen. Nein, MENEGROTH haben sozusagen die bolschewistische Oktoberrevolution von hinten aufgerollt. An dieser Stelle soll wirklich nicht zuviel verraten werden, damit der „Aha!“-Effekt beim Hörer erhalten bleibt. Was bleibt noch zu sagen? Reaktionär in der Substanz, Revolutionär im Stil: MENEGROTH haben sich neu überwunden und erfunden, um nach mehrmaliger, erfolgreicher Transmutation die Vollendung im Stadium des Rubedo zu erlangen. Meine Hochachtung! (VV)