In diesem Interview geht es vornehmlich um die Bekanntschaft zwischen Philipp Seiler und Hendrik Möbus. Während Seiler als ein junger und naiver Faust, der in einen "Teufelskreislauf" geraten ist, beschrieben wird, bekommt Möbus die Rolle des Mephisto zugedacht. Dieser habe Seiler erst an den so genannten "rechten Rand" im Black- und Pagan Metal herangeführt, um dann, nachdem Seiler sich distanzieren wollte, eine Hetzkampagne gegen ihn und VARG anzuzetteln.
Während Seiler sich in dem RockHard-Interview ausführlich als Opfer der eigenen Dummheit, und der Boshaftigkeit anderer Leute, präsentieren darf, hat man auf die Befragung von Möbus ganz verzichtet. Dabei gehört es doch zu den Grundsätzen von guter journalistischer Arbeit, dass man nie einseitig berichtet sondern immer alle Betroffenen anhört bzw. zu Wort kommen lässt. Da sich unser "Kollege" Wolf-Rüdiger Mühlmann nicht an diesen Grundsatz halten will, haben wir Hendrik Möbus kontaktiert und ihm die Fragen gestellt, welche - aus unserer Sicht, jedenfalls! - zum besseren Verständnis der "causa VARG" dringend beantwortet werden müssen.
Gleich zu Beginn die Frage an Dich, Hendrik, ob es der Wahrheit entspricht, dass Du die so genannte "Rufmord"-Kampagne gegen Philipp Seiler und VARG orchestrierst? >>Sowas gehört wohl in die Rubrik der Verschwörungstheorien. Zwar habe ich mich, angesprochen auf den Kontakt zwischen Philipp Seiler und mir, mehrfach geäußert. Allerdings gibt es für mich gar keinen Anlass - noch verfüge ich über die nötige Zeit und Aufmerksamkeit - für irgendeine Kampagne gegen irgendwen oder irgendwas; ganz besonders nicht gegen jemanden wie Philipp. Die Welt ist zwar rund und klein; dennoch wäre es vermessen von sich zu behaupten, sie würde sich nur um einen selbst drehen. Philipp soll sich und seine Band nicht so furchtbar wichtig nehmen. Wenn er jetzt das Feindbild von irgendeiner Randgruppe ist, dann hat er sich das selbst zuzuschreiben.<<
Inwiefern? >>Seien wir doch mal ehrlich. Kein 19-jähriger kann in Deutschland für sich beanspruchen, einfach nur ein dummer Junge zu sein. Mit 18 Jahren ist man volljährig. Rein rechtlich ist man ab diesem Zeitpunkt ein Erwachsener, und wird im Allgemeinen auch so und nicht anders behandelt. Wenn nun ein 19-jähriger, junger Mann Entscheidungen darüber trifft, mit wem er Kontakt aufnimmt, wohin er am Wochenende geht, und was er alles tut um sich Anerkennung zu verschaffen, dann sollte man einfach voraussetzen, dass er genau weiss was er da tut. Da kann er nicht nachträglich kommen und seine Taten mit Ausreden, wie man sie allenfalls einem Kleinkind zubilligen würde, erklären wollen. Durch so etwas werden Leute angewidert und abgenervt, und von daher kommt die allgemeine Aversion gegen Philipp.<<
Stichwort: "Kontaktaufnahme". Seiler hat zugegeben, dass er Dich angeschrieben und auf sein Wolfszeit-Festival im Jahr 2007 eingeladen hat. Was kannst Du darüber berichten? >>Wie dieser Kontakt überhaupt zustande kam, das kann ich nicht mehr sagen. Es war für mich keinesfalls ungewöhnlich, dass man aus dieser Szene heraus den Kontakt zu mir sucht. Jedenfalls gab es diese Einladung auf das Wolfszeit-Festival, die ich auch angenommen habe. Es hat mich schon interessiert, mir anzuschauen wie ein 19-jähriger ein Festival von dieser Größenordnung aufziehen kann. Die Beweggründe von Philipp, für diese Einladung, sind sicherlich nicht darin zu sehen, dass er mich einfach nur kennenlernen wollte. Stattdessen hat er mir die Idee von einem Festival mit Bands wie ABSURD, TOTENBURG, TEMNOZOR, usw. usf., dargelegt - sozusagen ein Zwilling vom Wolfszeit-Festival, nur eben mit Bands die dort aus unterschiedlichen Gründen nicht auftreten können. Philipp wollte dieses Festival finanzieren; organisieren sollte es ein Kumpel von ihm, genannt "Lee", aus Annaberg-Buchholz. Was mir bei alledem unangenehm aufgefallen ist, das war die Verhaltensweise von besagten "Lee". Er hat gegenüber Philipp schon von angeblichen Gagenforderungen und Terminvorschlägen seitens der Bands gesprochen, obwohl diese Bands überhaupt nichts davon wussten. Das habe ich Philipp auch gesagt. Für weiterführende Gespräche war keine Zeit, und ich habe Philipp dann erst am zweiten Tag des Festivals wiedergesehen, als er gekommen ist um zwei ABSURD-Hemden von mir zu kaufen.<<
Hat Seiler denn zu irgendeinem Zeitpunkt davon gesprochen, dass er Deine Tat als "abscheulich und verachtenswert" und Deine politische Meinung als "obskur und verquer" ansieht? >>Nein, wir haben zu keinem Zeitpunkt über meine Taten und/oder meine Ansichten gesprochen. Im Gegenteil, Philipp war stets bemüht sich als Sympathisant einer gewissen Ideologie, die er mit meiner Person assoziierte, darzustellen.<< Worin hat sich das geäußert? >>Insbesondere durch seine Kommentare in Bezug auf die "Antifa", welche er für Probleme, die er mit dem Wolfszeit-Festival und mit seiner Band VARG bekommen hat, verantwortlich machte.<<
Aber als "Nazi" würdest Du Seiler dennoch nicht bezeichnen? >>Er hat sich selbst als "unpolitisch" dargestellt, wenn ich mir seine aktuellen Äußerungen so durchlese. Dieser Behauptung kann ich nicht widersprechen. Politik war nie ein Thema zwischen Philipp und mir. Da ging es in erster Linie ums Geschäft. Und so ist auch mein Eindruck von ihm, dass er nämlich auf seinen Vorteil bedacht ist und jede Situation, die sich ihm für das Weiterkommen im Musikgeschäft bietet, für sich selbst bestmöglich ausnützen will. Sein Verständnis von Politik ist bei genauer Betrachtung doch sehr kümmerlich entwickelt. Ganz so, wie man es von einem Gymnasiasten in der BRD leider erwarten muss! Gegenüber dem RockHard spricht Philipp davon, dass er kein "Rechter" ist - und meint damit, er sei kein "Nazi". Dabei hat das eine mit dem anderen kaum etwas zu tun. Mehr noch, die Texte von VARG - mit ihrem positiven Bezug auf Kampfgemeinschaft, Heimatliebe, Naturverbundenheit, etc. - sind so konservativ - ja, fast schon reaktionär! - dass Philipp, der sie verfasst hat, mehr ideologische Gemeinsamkeiten mit der politischen "Rechte" aufweist als ihm scheinbar bewusst ist.<<
Wie bewertest Du in diesem Zusammenhang die Kampagne "VARG & Fans gegen Nazis"? >>Extrem albern. Sowas wird hierzulande und heutzutage doch gerne und oftmals gedankenlos getan, sich einfach einen "Gegen rechts"-Anstecker anheften. Wobei "rechts" immer mit "nationalsozialistisch" gleichgesetzt wird, was historisch gesehen ein einziger Blödsinn ist. Philipp ist aus dem selben Grund "gegen Nazis" wie -zig andere Leute in der BRD: Weil es gerade opportun ist! Das Abspulen von Allgemeinplätzen, mit denen Philipp seinen ach-so-heroischen "Kampf gegen rechts" legitimieren will, sorgt auch nur für Heiterkeit. Denn es ist ja sehr komisch, dass ihm diese Sachen erst jetzt einfallen. Vor einem Jahr hat er sich jedenfalls noch nicht um den Holocaust u.ä. gekümmert, sondern - man kann es zumindest vermuten - wohl eher, zusammen mit seinen "Spaß-Nazis" (was auch immer das sein soll), Judenwitze gemacht. Das Symbol für diese Kampagne ist dann die Krönung des Schwachsinns. Ein Wolf zerbeißt ein Hakenkreuz - eingedenk der Tatsache, dass das Hakenkreuz das wohl wichtigste religiöse Symbol in allen heidnischen Religionen darstellt, ist das doch sehr bemerkenswert für eine angebliche "Pagan Metal"-Band wie VARG.<<
Kannst Du uns noch etwas über Deine Zusammenarbeit mit Seiler berichten? >>Ich würde das nicht gleich als enge Zusammenarbeit auslegen. Er hat mich mehrfach um Hilfe in Bezug auf sein Festival gebeten, außerdem habe ich ihm einige Bands für von ihm geplante und/oder veranstaltete Konzerte vermittelt, und schließlich habe ich, als sich die Gelegenheit ergeben hat, auch einen Verkaufsstand auf einem TAAKE-Konzert in Berlin, das Philipp organisierte, im März 2009 gemacht. Der letzte Kontakt war dann im Juni 2009, als Philipp ein Konzert mit KRODA in Annaberg-Buchholz veranstalten wollte. Business as usual, so war das.<<
Wenn Du ihn jetzt siehst, zum Beispiel in der Wacken-Videobotschaft, was denkst Du dann? >>Philipp war nicht naiv in Bezug auf die Dinge die er getan hat und auf die Leute mit denen er zu tun hatte, sondern allenfalls hinsichtlich der sich daraus ergebenden Konsequenzen. Er hat sich wohl gedacht, und das ist eigentlich als Ausdruck von Normalität zu werten, dass er ein freier Mensch in einem freien Land ist. Es ihm also freisteht, sich mit wem auch immer einzulassen. Spätestens jetzt hat er ja gemerkt, dass das ein Irrglaube ist. Jede Entscheidung hat ihre Konsequenzen, jede Wirkung ihre Ursache. Und diesbezüglich ist Philipp nicht ehrlich. Er sieht in diesem Video so aus wie ein Schuljunge der vom Lehrer beim Abschreiben erwischt wurde, und redet etwas wirr von einer angeblichen Verschwörung gegen ihn und die Band. Ein peinlicher Auftritt. Alles was ihm passiert, das hat er selbst zu verantworten. Wäre er ein Mann und ein echter Heide, dann würde er zu dieser Verantwortung stehen. Stattdessen gibt es Ausreden, Ausflüchte, und Schuldzuweisungen an andere Leute. Klar, er hat fast alles zugegeben. Aber verpackt in die Ausrede, er sei halt jung und naiv gewesen. Wenn man das alles noch in Bezug setzt zu den Texten und dem Auftreten von VARG, dann weiss ich nicht ob ich das nun lustig oder zum kotzen finden soll. Philipp ist das Epitom des deutschen "Heidenmetallers", der wild das Methorn schwenkt und einen fürchterlichen Mummenschanz veranstaltet. Aber nur so zum Spass, versteht sich! Aber das braucht doch kein Mensch, oder?! Zumal die Musik von VARG, die ich überhaupt erst mit "Blutaar" gehört habe, völlig belanglos ist. Ich gehe davon aus, dass sich schon im nächsten Jahr niemand mehr für Philipp und seine Band interessieren wird.<<
Abschließend noch die persönliche Frage, ob es eigentlich dem eigenen Ego schmeichelt wenn man im RockHard als "Mephisto" dargestellt wird. >>Mephisto - so wie Loki - ist eigentlich gar kein Verführer und Manipulator. Er bringt die Menschen nicht dazu etwas zu tun, was sie normalerweise nie tun würden. Sondern er verschafft ihnen das Alibi das zu tun, was sie ohnehin zu tun begehren. Um die Frage zu beantworten: Ist mir ziemlich egal was irgendwer über mich irgendwo schreibt. Und wenn es zudem noch jemand wie dieser Mühlmann ist, dann ist der gleich gar nicht ernst zu nehmen. Mühlmann hat sich 1994 vor dem so genannten "Inner Circle" versteckt, weil er Todesangst hatte. Wohlgemerkt, ein "Inner Circle", den er zunächst herbei fantasierte um ihn zum Aufhänger in einem lächerlichen Zeitungsartikel zu machen. Vielleicht sollte Mühlmann als nächstes seinen Chefredakteur interviewen, zum Thema "Kontakte an den rechten Rand"... da soll es ja sehr viel spannendere Geschichten geben, als Philipp sie zu erzählen weiss.<< (SF)